Spende für Traditionsschiffe

Kurz vor Weihnachten kann sich der Vorstand der Schiffahrts-Compagnie schon über ein Geschenk freuen: Die Schiffahrtsgeschichtliche Gesellschaft überreichte dem Verein einen Scheck über 2000 Euro für den Erhalt von „Wal“ und „Quarantäne“.  Auch die „Schulschiff Deutschland“ war schon mit einem Geldgeschenk bedacht worden. Hintergrund der finanziellen Gaben an die Traditionsschiffe ist die geplante Auflösung der Schiffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft zum Jahresende. Sie hatte sich in den siebziger Jahren gegründet, um die „Seute Deern“ in den Alten Hafen zu holen. Nachdem nun die „Seute Deern“ Geschichte ist, werden die für den Windjammer gesammelten Spenden an andere Traditionsschiffe weitergegeben, so der 1. Vorsitzende der Schiffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft, Dr. Dirk Peters. Er würde es begrüßen, wenn sich alle Bremerhavener Traditionsschiffe unter einem Dach zusammen schließen würden – nach dem Vorbild der Stiftung „Hamburg maritim“. Eine Idee, an der Rüdiger Pallentin, der Vorsitzende der Schiffahrts-Compagnie,  momentan intensiv arbeitet, um den Erhalt der Schiffe in der Zukunft zu sichern.  

Freunde von Traditionsschiffen auf der Brücke der „Wal“  unter sich: Im Kreise der Vorstandsmitglieder beider Vereine überreicht Dr. Dirk Peters den Spendenscheck an Rüdiger Pallentin.

Die "Schulschiff Deutschland" kehrt zurück in die "Geburtsstadt"

Bericht der Seefunkkameradschaft e.V. Bremen.

Zwei Frauen und ein ungewöhnliches Hobby

Schiffahrts-Compagnie sucht mehr technikbegeisterte Ehrenamtliche

Jana Bäger mit ihren Kollegen der Maschine

„Wer spielt nicht gerne im Schlamm“ lachend sieht Jana Bäger auf ihre schmutzverkrusteten klobigen Arbeitssicherheitsschuhe herunter. Drei Fässer voll Schlacke hat sie aus der Bilge, ganz tief unten im Schiffsrumpf, gekratzt und erzählt zufrieden von dieser Arbeit. Die 28jährige hat genauso wie die 4 Jahre jüngere Anne Hahnheiser ein ungewöhnliches Hobby. In ihrer Freizeit arbeiten beide ehrenamtlich in der Maschine des Dampfeisbrechers „Wal“.

Bisher herrschte auf dem 82 Jahre alten Traditionsschiff eher die klassische Rollenverteilung: Männer in der Maschine oder an Deck, Frauen in der Kombüse und im Service. Mit Jana und Anne haben die gestandenen Maschinisten – die meisten von ihnen bereits im Rentenalter – erstmals junge, weibliche Unterstützung bekommen. Darüber freuen sich alle an Bord. Zumal beide Frauen absolut begeistert und fasziniert sind von der betagten Dampftechnik an Bord. Während Jana Bäger im richtigen Leben beim Thünen-Institut im Bereich Fischereiforschung arbeitet „sie zerschneidet hauptberuflich Fische“, erzählen ihre Kollegen aus der Maschine schmunzelnd, ist für Anne Hahnreiser die Schifffahrt nicht nur Hobby, sondern der Beruf: Sie ist gelernte Schiffsmechanikerin und macht gerade an der Seefahrtsschule Cuxhaven ihr Maschinenpatent. Für eine Frau ein noch immer exotischer Berufsweg: „Von den 64 Auszubildenden, mit denen ich angefangen habe, waren nur sechs Frauen“, berichtet sie. Als einzige Absolventin arbeitet sie nun tatsächlich auf See und ist während der Sommersaison auf einem Passagierschiff unterwegs.

Anne Hahnheiser in der Maschine

Die gebürtige Braunschweigerin entdeckte ihre Liebe zum Meer schon in ihrer Kindheit bei zahlreichen Urlauben auf Borkum. Nach dem Abitur absolvierte sie dann ein freiwilliges soziales Jahr auf dem Feuerschiff Elbe 1 in Cuxhaven – und blieb danach an der Küste. Dem Feuerschiff ist sie auch weiter ehrenamtlich verbunden, die „Wal“ kam erst später dazu. Jana Bäger stammt aus Bremen und zog 2018 nach Bremerhaven. Bei einer Festwoche landete sie zufällig auf dem Dampfeisbrecher und besichtigte die Maschine – da war es um sie geschehen. Seitdem engagiert sie sich als Ehrenamtliche in ihrer knappen Freizeit. „Es ist spannend, so Geschichte lebendig zu erhalten“, sagt sie. Da sie an Forschungsreisen des Thünen-Instituts mit der „Walther Herwig“ oder der „Solea“ beteiligt ist, fallen bei ihr zahlreiche Überstunden an. Und die baut sie dann während ihres Arbeitsdienstes auf der „Wal“ ab. Immer dienstags und donnerstags treffen sich die Ehrenamtlichen am Vormittag, um das Traditionsschiff in Schuss zu halten. Für jüngere und berufstätige Menschen  kaum machbar, bedauert Jana Bälger die Nachwuchssorgen der Schiffahrts-Compagnie, die als Verein mit ausschließlich Ehrenamtlichen die „Quarantäne“ und die „Wal“ betreibt. Der „Lohn“ für den wöchentlichen Arbeitsdienst: Wer sich so einen Platz in der Stammbesatzung sichert, ist bei den Törns der „Wal“ dabei. Die weiteste Reise soll im kommenden Jahr bis nach Flensburg führen.

© Comic von Anne Hahnheiser

Darauf freut sich die technikbegeisterte Anne besonders:“ Das Dampfertreffen „Dampf rundum“ ist das tollste überhaupt“, schwärmt sie. Sie hofft auf freie Tage, um dabei sein zu können. Jana schafft es durch ihren Überstunden-Abbau, beim Arbeitsdienst mitzumachen. Für Reisen nimmt sie dann Urlaub. Bei Anne Hahnheiser ist es noch ein bisschen komplizierter, denn sie muss zwischen Job, Studium und ihren ehrenamtlichen Aktivitäten in Cuxhaven und Bremerhaven schwer terminlich jonglieren – sie schafft aber sogar noch ein weiteres Hobby: Sie zeichnet Comics. Und was ist darauf unter anderem zu sehen: Der Dampfeisbrecher „Wal“.

Infokasten: Die Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven freut sich über Ehrenamtliche, die zum Erhalt der Traditionsschiffe „Wal“ und „Quarantäne“ beitragen möchten.

Infos unter 0471 – 9269110 / info@schiffahrts-compagnie.de

Dampfeisbrecher „Wal“ geht 2022 auf „große Fahrt“

Fahrten mit dem Traditionsschiff können ab sofort gebucht werden

Die Corona-Pandemie machte allen Planungen im vergangenen Jahr und auch in 2021 einen Strich durch die Rechnung der Bremerhavener Schiffahrts-Compagnie: Nur wenige der geplanten Gäste-Fahrten mit dem 82 Jahre alten Dampfschiff konnten stattfinden. Für 2022 schöpft der Verein jetzt neue Hoffnung und legt einen ehrgeizigen Törnplan vor. Alle Reisen können ab sofort gebucht werden.

Im Sommer kommenden Jahres wird die „Wal“ so lange ihren angestammten Liegeplatz im Neuen Hafen verlassen wie noch nie: Über einen Monat lang wird das historische Schiff mit Gästen unterwegs sein. Mitte Juni startet die „Wal“ zunächst nach Lübeck – mit Halt in Kiel, Travemünde und Lübeck. Von dort aus geht es weiter zum traditionellen Dampfertreffen „Dampf Rundum“ in Flensburg. Über Kiel, Rendsburg und Cuxhaven wird dann zurück nach Bremerhaven „gedampft“.
Losgehen soll die Saison Anfang Mai mit einer Fahrt zum Hamburger Hafengeburtstag. Das Jubiläum 400. Hafengeburtstag in Bremen-Vegesack wird ebenfalls im Mai angelaufen. Die „Lütte Sail“ im August und der Deutsche Schifffahrtstag in Bremen Ende September stehen selbstverständlich auch im Plan für das nächste Jahr. Zwei Mal soll außerdem Helgoland angelaufen werden.

Die Preise für das Abenteuer, mit einem Dampfschiff in See zu stechen, beginnen bei 25 Euro – soviel kostet die Fahrt von Travemünde nach Lübeck. Wer dann von Lübeck über Flensburg bis zurück nach Bremerhaven mitfahren möchte, der muss schon tiefer in die Tasche greifen: 1580 Euro schlagen für 15 Tage an Bord – wie immer mit Vollverpflegung- zu Buche.
Bei diesen Planungen machen dem Vorsitzenden der Schiffahrts-Compagnie, Rüdiger Pallentin, aber noch drei Unwägbarkeiten Sorgen: Bevor es losgehen kann mit der „Wal“ müssen erst noch die Kessel in Ordnung gebracht werden- „ein leider kostspieliges Unterfangen“ so Rüdiger Pallentin. Das zweite Problem: Die stark gestiegenen Treibstoffpreise, deren Entwicklung momentan nicht absehbar ist. Die „Wal“ fährt mit leichtem Heizöl und verbraucht davon nicht gerade wenig. Und drittens: Wie geht es weiter mit der Corona-Pandemie – auch das ist für den Verein natürlich nicht einschätzbar. Für die Veranstaltungen in diesem Jahr wie die traditionellen Adventskaffee-Treffen an den Sonntagen vor Weihnachten hat Rüdiger Pallentin eine Lösung gefunden: „Wir setzen auf die 2 G-Regel für alle Gäste und unsere Ehrenamtlichen“, so der Schiffahrts-Compagnie-Vorsitzende.

 

Anmeldungen für Reisen mit der „Wal“ nimmt die Schiffahrts-Compagnie unter 0471- 9269110 entgegen.